Auch in der BlackBerrywelt ist nicht immer alles Sonnenschein und wunderbar. Wenn das große grüne Patentmonster aus dem blubbernden Abzocksumpf zuschlägt, dann werden hohe Geldsummen gezahlt – für nichts. Wie absurd es dabei werden kann hatten wir vor kurzem im Fall Apple bereits gezeigt. Ein Informant den wir nicht nennen wollen hat uns folgenden Fall zugespielt. Auch diesmal sind die würzigen Zutaten für einen spannenden Wirtschaftskrimi erster Klasse vorhanden: drohende Anwälte, Patente auf Allgemeinwissen und Schadenersatzforderungen in ungenannter Höhe.
I. BlackBerry Flashlight Anwendungen
Fangen wir ganz am Anfang der Geschichte an. Es geht um die sogenannten Flashlight Anwendungen, bei denen man das eingebaute Kameralicht des BlackBerrys als praktische Taschenlampe verwendet. Von diesen Anwendungen gibt es eine ganze Wagenladung, hier ein paar Beispiele wie man sie auf der Appworld findet:
- Video Flashlight II and Emergency Lights von LSphone
- got’cha LIGHT (Uses Camera Light) von loopSpin, Inc.
- Light the Way Adjustable Flashlight von NearBox Software
- VideoLight – LED Camera Flashlight von Virtualviews.com
- BAKLight (Free Flashlight) von BAK2u Pte Ltd
- Ever Light II uses Flashlight von MMMOOO
- Flashlight Pro – Free Trial von S4BB Limited
- Radical Flashlight von Radical Photography and Graphic Arts
- FlashLight OneTouch von Adorno
- Brio Camera Light von Brio Mobile
- FlashOn von Shao
- One Touch Flashlight (Uses Camera Light) von The Jared Company
Wie man sieht, gibt es zahllose dieser Anwendungen. Und die Unterschiede sind marginal. Einige können die Helligkeit einstellen, andere haben eine Morsefunktion, aber im wesentlichen sind sie doch alle gleich. Wer hier von wem abgeschrieben hat lässt sich nicht mehr feststellen. Möglicherweise sind die Entwickler auch unabhängig voneinander auf die Idee gekommen das eingebaute Licht als mobile Taschenlampe zu verwenden. In der Tat ist es eine Idee die sich geradezu aufdrängt und dazu noch sehr simple Technologie ist (es tut mir hier sogar weh von Technologie zu sprechen). Doch heute kann man auf alles ein Patent bekommen und es scheint so, als habe eine Firma ein Patent auf diese “Technologie” angemeldet. Klar das man damit gleich mal die Konkurenz vorsorglich einschüchtert. Aber ist das wirklich so?
II. Die bedrohliche EMail
Folgende Email wurde der BlackBerryInsight Redaktion von einem BlackBerry Softwareentwicklerbüro zugespielt, das hier erst mal ungenannt bleiben soll. Dieses Softwarebüre erhielt die Email von einem gewissen Michael Kader. Bevor ich das weiter kommentiere, erstmal die Übersetzung (Original auf BlackBerryInsight Englisch). Der Name des Softwarebüros, sowie deren mögliche problematische Software wurde durch -EINE BLACKBERRYSOFTWAREFIRMA- und -EINE TASCHENLAMPENSOFTWARE- ersetzt, sowie ein paar weitere Zensurmaßnahmen bei der Empfängermail..
From: Michael Kader [michael.kader@telus.net]
Subject: –ONE OF THE FLASHLIGHT APPS–Date: 20 February 2010
To: xxxx@xxxxxxx.xxxAttention: -EINE BLACKBERRYSOFTWAREFIRMA-
Re: -EINE TASCHENLAMPENSOFTWARE-
Guten Tag -EINE BLACKBERRYSOFTWAREFIRMA-,
Ich bin ein Anwalt aus Vancouver und wurde von dem Hersteller der Blackberryanwendung One Touch Flashlight (Nutzt Kameralicht) The Jared Company beauftragt. Ich schreibe Sie an bezüglich Ihrer -EINE TASCHENLAMPENSOFTWARE-. The Jared Company hat diese Idee als erstes auf den Blackberry auf den Markt gebracht und nach gründlicher Analyze ihrer -EINE TASCHENLAMPENSOFTWARE- ist es klar, dass sie die Erfindung unseres Mandanten kopiert haben.
Ich sende Ihnen dies, um Sie wissen zu lassen, dass The Jared Company ein Patent beim U.S. Patentamt eingereicht hat in dem die Nutzung des Kameralichts als Taschenlampe beschrieben wird. Die Nummer des eingreichten noch nicht erteilten Patents lautet 61/254,690. Ihr Produkt -EINE TASCHENLAMPENSOFTWARE- könnte dieses Patent verletzen und falls dies so ist werden wir den ab heute entstandenen Schaden für unseren Klienten von Ihnen einfordern, denn nun haben Sie schriftlich von diesem Sachverhalt Kenntnis erhalten.
Des weiteren wollen wir Sie daran erinnern, dass Ihre Verträge mit RIM (BlackBerry Appworld) und anderen Verkaufsstellen wie beispielsweise Mobihand Sie verpflichten das geistige Eigentum Dritter nicht zu verletzen (Copyright, Marken und Patente) und gegebenenfalls Schadensersatz zu zahlen. Wir werden die Händler hierüber ebenfalls informieren.
Wir fordern Sie auf mit sofortiger Wirkung jeden Verkauf Ihrer Anwendung -EINE TASCHENLAMPENSOFTWARE- zu stoppen. Sollten Sie dem nicht nachkommen können ohne weitere Warnung rechliche Maßnahmen folgen.
Mit freundlichen Grüßen
Michael Kader
Barrister & Solicitor
9 Tamath Crescent
Vancouver, B.C.
V6N 2C8(P) (604) 910 -1949
(F) (604) 267-0009
michael.kader@telus.net
Intersannt ist, dass genau diese Mail gleich an mehrere BlackBerrysoftwarefirmen ging, nur die jeweiligen Firmennamen und entsprechende Produktnamen wurden angepasst. Ich habe mehrere Details des Absenders nicht zensiert, denn ich möchte diese Kommentieren. Es riecht stark nach unerwünschter Abzocke.
III. Betrugsanzeichen
Eine ganze Reihe von Details in der Email lassen auf einen Betrugsversuch schließen.
- EMail: Anwaltliche Schreiben werden normalerweise in einem Briefumschlag verpackt versended, manchmal auch per Fax aber äußerst selten per Email. Darüber hinaus stammt die Email von telus.net, also einem öffentlichen Emailanbieter. Jede halbwegs seriöse Firma verwenden die Firmenadresse zum senden von Emails. Obwohl es ein Schreiben eines angeblichen Rechtsanwalts ist, ist sie nicht signiert. Das wirft Fragen auf.
- Webseite: Welcher Rechtsanwalt hat keine Webseite?
- Adresse: Ein Blick auf Google Maps zeigt ein Wohngebiet und kein Bürogebäude wie man erwarten könnte.
- Anwaltskanzlei: Leider teilt uns Herr Kader nicht mit in welcher Kanzlei er denn nun arbeitet. Ein Flüchtigkeitsfehler?
- Copyrights: Der Sender pocht auf die Anerkennung des Copyright, aber er schafft es selber nicht BlackBerry richtig mit 2 großen B zu schreiben (siehe auch Originaltext). Ein namhafter Anwalt darf sich solche Scherze nicht erlauben.
- US Patent Nummer: Die Patentnummer “61/254,690″ kann leider nicht in der offiziellen US-Patentsuche gefunden werden: Siehe hier. Das gleiche Bild bei der entsprechenden Google Patentsuche.
- Name des Autors: Mittels der Googlesuche findet man sehr schnell heraus, dass “Michael Kader” bei The Jared Company als COO arbeitet. Dabei ist er doch Rechtsanwalt.
Es gibt einige Ungereimtheiten, die darauf hinweisen, dass etwas nicht mit rechten Dingen zugeht bei Michael Kader. Eine Anwaltkanzlei in einem Wohngebiet. Eine Email von einem Anwalt in einer Anwaltskanzlei ohne Webseite. Ein Anwalt ohne eigene Firmenemail. Und ein nicht auffindbares Patent. Die ganze Email scheint eher ein Betrug zu sein und weniger ein echtes Anwaltsschreiben. Man kann sie wohl kaum ernst nehmen, höchstens zur Unterhaltung
Hinweis: Dieser Artikel ist eine journalistischer Kommentar und keine Rechtshilfe. Wir haben gehört, dass mehrere Firmen eine gleichartige Email erhalten haben, bei unserem entsprechenden Englischen Artikel gab es schon entsprechende Emails. Wer ebenfalls betroffen ist kann hier oder unter den Englischen Artikel ein Kommentar setzen. Wir freuen uns wenn da mehr ans Tageslicht kommt. Ebenfalls haben wir eine Kontaktmöglichkeit für Tipgeber.
| Exklusiver EMail Service | Software for BlackBerry®
|
BlackBerry Diskussionsforum
BlackBerry Experten diskutieren Ihre Themen hier: BBInsight Forums. Registrier dich jetzt und erhalte einen $50 Einkaufsgutschein. |

